Kurz vorm Wochenende möchte ich euch gerne noch eine kleine Geschichte von unserer Reise erzählen:

Wir haben während unserer Reise drei Monate lang in einem kleinen Hotel auf Bali gearbeitet und dort die Tauchbasis geleitet. Das Resort hatte deutsche Besitzer und im Norden der Insel ist dies nichts Ungewöhnliches.

Eines Tages haben wir im nächsten Ort ebenfalls ein deutsches Besitzerpaar eines kleinen Resorts kennengelernt und die beiden luden uns direkt für den Abend zum Essen ein. Dabei plauderten sie viel aus dem Nähkästchen und für uns war es natürlich spannend, welche Geschichten so eine Existenzgründung in einem fremden Land mit sich bringt.

Unter anderen erzählten die beiden von den Bauarbeiten ihres kleinen Hotels. Damals wohnten sie noch in Deutschland und sind nur alle paar Wochen nach Bali geflogen, um die Fortschritte zu begutachten.

Wie das die deutsche Gründlichkeit so wollte, war das ganze Resort von Architekten und Innenarchitekten durchdesigned und so sollten zum Beispiel alle Bäder im selben Rotton erstrahlen.

Auf einem der Besuche auf Bali haben die Besitzer dann aber festgestellt, dass 7 Bäder tatsächlich in rot waren und 3 Bäder in weiß. Auf Nachfrage beim balinesischen Bauunternehmer, zuckte dieser nur mit den Schultern und sagte „Also nice – auch schön!“.

Da hatte er in seinen Augen sicher recht. Für viele der Einheimischen war und ist die Tourismusbranche nach westlichem Standard völlig fremd. Für ihn waren die weißen Fliesen tatsächlich genauso schön. Wahrscheinlich konnte er sich überhaupt nicht erklären, warum die deutschen Besitzer das nicht gut fanden. Er hatte einfach improvisiert, nachdem die roten Fliesen für die Bäder alle waren. Die Besitzer fanden das natürlich nicht ganz so witzig und natürlich haben beide Parteien aus ihrer Sicht recht.

Ich erinnere mich aber immer wieder gern an die Geschichte, wenn es gilt, irgendeine Situation nicht so ernst zu nehmen. Vielleicht ist es ja wirklich nicht so tragisch, wie es am Anfang erscheint. Eventuell funktioniert der andere Weg genauso gut oder vielleicht noch viel besser. Es kann sogar sein, dass der andere Weg nur ausreichend gut funktioniert, es die Energie aber nicht wert ist, einen großen Aufstand zu machen, um das zu korrigieren.

Ich kann nur empfehlen, in ähnlichen Situationen – im Privatleben oder bei der Arbeit – immer mal kurz in sich zu gehen, zu hinterfragen, ob das jetzt wirklich so dramatisch ist – und dann auch mal die berühmten Fünfe gerade sein lassen. Es macht den Alltag deutlich entspannter – glaubt mir!

Euer Sebastian

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